Der Fahrermangel bleibt ein strukturelles Problem
Auch im neuen Jahr hat sich an der Lage auf dem Arbeitsmarkt für Berufskraftfahrer kaum etwas geändert. Zwar hat die allgemeine Wirtschaftsflaute den weiteren Anstieg des Mangels leicht gebremst, doch das Grundproblem bleibt bestehen. Branchenverbände gehen inzwischen von einer Lücke von rund 120.000 fehlenden Lkw Fahrerinnen und Fahrern aus. Ohne den dämpfenden Effekt der Konjunkturschwäche wäre der Fehlbestand sogar noch deutlich höher.
Ursächlich ist vor allem ein strukturelles Defizit. Jährlich gehen rund 30.000 bis 35.000 Fahrer in den Ruhestand, während lediglich etwa 15.000 bis 20.000 neue Fachkräfte nachrücken. Bereits 2025 lag das Defizit bei rund 100.000 plus X und musste aufgrund dieser Entwicklung nach oben korrigiert werden. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass mit einem wirtschaftlichen Aufschwung der Druck auf den Arbeitsmarkt weiter steigen dürfte. Frühzeitiges Handeln gilt daher als unerlässlich.
Internationale Fahrer und ungenutzte Potenziale
Trotz Wirtschaftskrise herrscht in der Logistik weiterhin ein massiver Fachkräftemangel, der alle Qualifikationsstufen betrifft besonders jedoch den Beruf des Kraftfahrers. Wächst diese Lücke weiter, wird sie zu einem dauerhaften Risiko für stabile Lieferketten in Deutschland und Europa.
Um den Engpass abzufedern, setzen viele Unternehmen auf ausländische Fahrer. Während deren Anteil zu Beginn der 2000er Jahre noch im einstelligen Prozentbereich lag, macht er heute rund ein Drittel der Fahrer in deutschen Transportunternehmen aus. Ohne diese Arbeitskräfte wäre die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung längst nicht mehr sicherzustellen.
Gleichzeitig bestehen erhebliche regulatorische Hürden. So dürfen ukrainische Lkw Fahrer in Deutschland bislang nicht arbeiten, da sie die erforderliche Berufskraftfahrerqualifikation nicht in deutscher Sprache nachweisen können. In anderen EU Staaten ist eine Beschäftigung hingegen problemlos möglich. Das führt dazu, dass viele dieser Fahrer mit ausländischen Fahrzeugen durch Deutschland fahren, obwohl sie hier dringend benötigt würden und deutsche Steuer und Sozialkassen davon nicht profitieren.
Neben der internationalen Rekrutierung werden auch inländische Potenziale als unzureichend ausgeschöpft bewertet. Gefordert werden unter anderem eine Modernisierung der Aus und Weiterbildung, niedrigere Führerscheinkosten, bessere Arbeitsbedingungen sowie eine Vereinfachung der Berufskraftfahrerqualifikation etwa durch deren Integration in die Fahrausbildung. Zudem gelten lange Einwanderungsverfahren als Hemmnis weshalb eine Beschleunigung von Visa und Anerkennungsprozessen angemahnt wird.
Fazit
Der Fahrermangel in der Logistik ist kein kurzfristiges Phänomen sondern ein strukturelles Problem mit weitreichenden Folgen. Ohne schnelle politische Entscheidungen erleichterte Anerkennungsverfahren und gezielte Investitionen in Ausbildung und Arbeitsbedingungen drohen langfristige Risiken für Lieferketten und Versorgungssicherheit. Unternehmen die bereits heute auf nachhaltige Rekrutierungs und Integrationsmodelle setzen sowohl im In als auch im Ausland zeigen mögliche Wege auf können den Handlungsdruck jedoch nicht allein auffangen.
Quellen: Eurotransport
